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Sprachlos und entwurzelt - Familien auf der Flucht

Flüchtlingsmädchen am Zaun
Quelle: fotolia. Urheber: Sebastiano Fancellu

Die Medien sind seit Monaten voll davon: "Flüchtlingskrise", "Flüchtlings-Ströme", "Grenzpolitik", "Zuwanderungsstrom", "Islamisierung der Gesellschaft"... die Liste der angsteinflössenden Begriffe ist lang. Und allein die Begriffe an sich muten bereits abwertend an, wie die Linguistin Elisabeth Wehling in einem Interview mit der "Zeit" betonte. (Quelle: Die Zeit, No. 10, 25.02.2016, Seite 9)

 

 

Für eine kleine Weile, kurz nach einigen gewalttätigen Angriffen auf Flüchtlingsheime, wurde überall von der sogenannten "Willkommens-Kultur" brichtet: Man sah jubelnde und Schilder hoch haltende Menschenmengen, die massenweise Sachspenden verteilten an die häufig sehr verwirrt dreinbickenden Menschen, die gerade eine oft lebensbedrohliche Flucht aus ihrer vom Krieg zerstörten Heimat erlebt haben. Doch auch diese "Welle" ist schon wieder aus den Medien veschwunden. Erstaunlich ist, dass bei so vielen Worten, Berichten und Diskussionen um das Thema "Flüchtlinge" der Blick auf die Menschen verloren gegangen zu sein scheint, die Flucht, Krieg und Bedrohung erlebt haben. Verhalten sie sich in unseren Augen "auffällig", so wird dies meist ausschließlich mit der Andersartigkeit der Kultur und der fehlenden Bereitschaft, sich anzupassen und zu integrieren begründet. Es mag sicherlich auch Menschen geben, auf die dies teilweise auch zutrifft. Doch wie würden wir uns denn verhalten, wenn hier ein Krieg ausbräche, unser zu Hause zerstört würde und wir unsere Nachbarn tot und verstümmelt auf der Straße finden würden. Wenn wir uns entscheiden würden, alles zurück zu lassen, um in ein Land zu fliehen, in dem es Frieden und Wohlstand gibt und auf dem Weg dahin weitere Schrecken, lebensbedrohliches Situationen, Kälte und Feindseeligkeiten erleben würden? Mehr noch - wie würden wir reagieren- welche psychischen Belastungen würden wir in uns erleben, wenn wir nach all diesen Strapazen in dem Land, in dem Frieden und Wohlstand herrscht, mit noch mehr Feindseligkeit und Ablehnung konfrontiert würden. Entwurzelt aus der eigenen Heimat, sprachlos in einer fremdem Sprache und einer fremdem Kultur - wer kann nach all dem immer noch verständnisvoll, integrationsbereit, leistungsfähig und entspannt sein?

Ebenso wie der individuelle Blick auf die von Flucht betroffenen Menschen fehlt, fehlt auch der Blick auf die Menschen, die tagtäglich mit bewundernswertem Einsatz Unterstützung leisten: als Ehrenämtler, Paten, Sozialarbeiter und Organisatoren, in Kindergärten, Schulen und OGS (offenen Ganztags-Schulen), in Ämtern, Vereinen und Organsisationen. Die Menschen, die vor den Schrecken in ihrer Heimat geflohen sind, sind nun einmal da und benötigen unsere Hilfe und Unterstützung. Und die Menschen, die mit diesen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen arbeiten sind ebenso da und benötigen Hilfe und Unterstützung, um diese wertvolle Arbeit tun zu können. Doch während unglaublich viele Diskussionen geführt werden, ob die Flüchtlingsströme "begrenzt" werden müssen oder nicht, fehlt es im direkten Kontakt mit den Betroffenen an "know-how" und wesentlichen Grundlagen (sowohl an materiellen als auch an Wissens-Grundlagen). Hier besteht ein großer Bedarf an Grundlagenwissen und praktischen Ideen - ganz konkret für den Alltag und nicht nur "theoretisch". Was brauchen Menschen, die traumatische Situationen erlebt haben, wie verhalten wir uns hilfreich, wenn das Trauma die Betroffenen einholt, wie können wir Sprachbarrieren überwinden, wie gehen wir mit kulturellen Unterschieden um, wie können wir unsere eigene Kultur vermitteln und gleichzeitig die kulturellen Wurzeln der betroffenen Menschen würdigen und wie können wir einen gemeinsamen Alltag gestalten?

Mit unseren Seminaren wollen wir einen kleinen Beitrag dazu leisten, praktisches Wissen und alltagstaugliche Tipps an Menschen zu vermitteln, die von Flucht betroffene Kinder, Jugendliche und Erwachsene unterstützen.

Aktuelle Seminare zu diesem Thema:

FS3: Betreuung von traumatisierten Kindern und Jugendlichen

In Kürze:

Interkulturelle Kommunikation

Traumatisierung: Verhalten verstehen und hilfreich handeln

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